Patrick Okoroafor hat mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht - jetzt ist er endlich wieder frei!
Der 31-jähriger Nigerianer, der als Jugendlicher zum Tode verurteilt worden war, war insgesamt 17 Jahre lang inhaftiert gewesen. Amnesty International hat sich jahrelang mit Kampagnen für seine Freilassung eingesetzt.
Patrick Okoroafor war gerade 14 Jahre alt, als er im Mai 1995 festgenommen und des Raubes und der Entführung beschuldigt wurde. Er beteuerte, diese Verbrechen nicht begangen zu haben. Zwei Jahre später wurde er als 16-Jähriger zum Tode verurteilt.
Nach seiner Freilassung sagte Patrick Okoroafor: "Als Amnesty begann, meine Freilassung zu fordern, und als ich Tausende von Briefen, Postkarten und Nachrichten von Amnesty-Mitgliedern erhielt, schöpfte ich wieder Hoffnung, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft wieder frei sein könnte."
Amnesty International hat sich jahrelang für Patrick Okoroafor eingesetzt, weil das Verfahren gegen ihn äußerst unfair war und das internationale Recht die Todesstrafe für unter 18-Jährige verbietet. Mit weltweiten Briefaktionen forderte Amnesty regelmäßig seine Freilassung. Insgesamt erhielt Patrick Okoroafor mehr als 10.000 Karten und Briefe.
Monate, nachdem das Todesurteil für Patrick Okoroafor verkündet worden war, wandelten Behörden des nigerianischen Bundesstaats Imo das Urteil in lebenslange Haft um. Im Oktober 2001 erklärte ein Richter des obersten Gerichtshofes das Todesurteil für unrechtmäßig und ungültig und wandelte es um in eine Inhaftierung "nach Belieben des Gouverneurs" - und somit in eine unbegrenzte Haftstrafe.
Im Jahr 2009, ein Jahr nachdem Amnesty International die Kampagne zur Befreiung von Patrick Okoroafor gestartet hatte, wurde die unbegrenzte Haftstrafe in eine zehnjährige Haftstrafe umgewandelt. Allerdings wurden die 14 Jahre, die Okoroafor bis dahin schon im Gefängnis hatte verbringen müssen, nicht angerechnet. Ein Jahr später reduzierte man die Haftstrafe auf zwei Jahre.
Am 30. April 2012 durfte Patrick Okoroafor endlich wieder in die Freiheit und zu seiner Familie zurückkehren.
Patrick Okoroafor verbrachte beinahe die Hälfte seines Lebens im Gefängnis. Er war vierzehn Jahre alt, als er im Mai 1995 wegen Raub und Entführung verhaftet wurde, ein Verbrechen, das er – wie er sagt – niemals begangen hat. Die Polizei klagte ihn und sechs weitere schließlich wegen Raubes an. Nach Aussage von Okoroafors Bruder wurden ihm von der Polizei seine Zähne mit Zangen gezogen und er wurde im Polizeigewahrsam aufgehängt und geschlagen.
Sein Bruder gibt an: „Patrick ging nur zur Polizei, weil diese das Auto, das unsere Mutter von einem der Verdächtigen gekauft hatte, untersuchen wollte. Dabei wurde er verhaftet. Wir versuchten ihn frei zu bekommen aber die Polizei weigerte sich.“
Am 30. Mai 1997, im Alter von sechzehn Jahren, wurde Okoroafor und sechs Mitangeklagte vom Ersten Strafgericht für Raub und Schusswaffen des Bundesstaates Imo zum Tode verurteilt. Dieses Gericht verweigerte den Angeklagten das Berufungsrecht. Okoroafor und Chidiebere Onuoha, ein Mitangeklagter, der zur Zeit seiner Verhaftung fünfzehn Jahre alt war, reichten beim Militärverwalter des Bundesstaates Imo einen mit ihrem Alter begründeten Gnadengesuch ein. Der Militärverwalter bestätigte am 18. Juli 1997 die Todesurteile der sechs Mitangeklagten und wandelte Okoroafors Urteil in lebenslängliche Haft.
Am 31. Juli wurden die sechs Männer öffentlich erschossen. Onuoha war siebzehn Jahre alt, als er hingerichtet wurde. Patrick Okoroafor wurde das Recht auf einen fairen Prozess verweigert. Er bekam keine Berufungsverhandlung, ein Menschenrecht, garantiert durch die Afrikanische Charta der Menschenrechte (African Charter on Human and People’s Rights), die Nigeria 1983 ratifiziert hat,, ebenso wie durch den 1993 von Nigeria ratifizierten Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte.
Ähnlich garantiert das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, 1991 von Nigeria ratifiziert, das Recht bei einer höheren Instanz Berufung einzulegen, indem es vorsieht, dass das „Urteil und alle sich daraus ergebenden Konsequenzen von einer höheren, kompetenten, unabhängigen und unparteiischen Instanz entsprechend den Gesetzen überprüft werden.“ Die nigerianische Verfassung von 1999 garantiert das Berufungsrecht.
Im Mai 2000 erlaubte der Hohe
Gerichtshof des Bundesstaates Imo Mr. Okoroafor einen Antrag auf Überprüfung und auf
Akteneinsicht zu stellen, um das Verfahren und das Urteil des Ersten Strafgerichts für Raub und Schusswaffenvergehen des Bundesstaates Imo aufzuheben und ihn aus dem Gefängnis zu entlassen.
Ihm wurde allerdings nicht das volle Berufungsrecht eingeräumt und die Überprüfung des Hohen Gerichtshofes war eingeschränkt.
Am 18. Oktober entschied der Hohe Gerichtshof, dass „die am Antragsteller und dem zweiten Beklagten am 30. Mai 1997 verhängten Todesstrafen von diesem Gericht aufgehoben werden, da sie illegal und damit null und nichtig sind.“ Anstatt einer Haftentlassung als Ergebnis dieses Beschlusses entschied das Gericht, dass „der Antragsteller stattdessen nach Belieben des Gouverneurs des Bundesstaates Imo inhaftiert bleibe.“
Im November 2001 legte Okoroafor ein Gnadengesuch ein und bat aus dem Gefängnis entlassen zu werden. In seinem Brief an den Gouverneur von Imo schrieb er: „Das Gerichtsverfahren war für mich ein völliger Alptraum, denn ich bin völlig unschuldig an den Vergehen, deren ich während des Verfahrens eschuldigt wurde... Ich habe diese Jahre schuldloser Haft weinend, betend und lesend verbracht.“
Sein Gnadengesuch wurde im März 2002 vom Gouverneur von Imo abgelehnt. Mehr als sechs Jahre vergingen nach dem Urteil des Hohen Gerichtshofes vergangen. Okoroafor saß seitdem im Aba Gefängnis und wartete auf seine Freilassung. Sein langer Gefängnisaufenthalt hatte ernste Folgen für seinen Gesundheitszustand. Er litt unter Asthma und die Gefängnisverwaltung erklärte, dass sein Verbleiben im Gefängnis nicht in seinem medizinischen Interesse ist und dass sich sein Zustand täglich verschlechtert.“
Okorafors Haftstrafe wurde im Sommer 2009 von lebenslänglich auf zehn Jahre umgewandelt. Allerdings berücksichtigte diese Entscheidung nicht die Jahre, die Okoroafor bisher bereits in Haft verbracht hat.
Okoroafor hätte niemals zum Tode verurteilt werden dürfen, da er zur Zeit des Verbrechens, wegen dessen er verurteilt wurde, unter achtzehn Jahre alt war. Internationale Regeln legen fest, dass Kinder unter achtzehn Jahren nicht zum Tode verurteilt werden dürfen. Der Hohe Gerichtshof von Imo entschied später, dass das Todesurteil illegal, null und nichtig war.